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Land unter, oder: A little time

Hi there,

unser Alltag – das ist Allgemeingut – ist geprägt von einem immer höheren Kommunikationsaufkommen. Wir kommunizieren immer mehr, und zwar dergestalt, dass wir nicht unbedingt mehr sagen. Aber wer am Tag sich durch Meetings und E-Mailberge laviert, hat abends oftmals schlicht keine Lust und Kraft, noch mehr zu kommunizieren. Tja, soweit irgendwie die Entschuldigung dafür, warum seit einiger Zeit hier die Steppenläufer durch den Blog geweht werden. Ein sehr amerikanisches Bild. Und damit sind wir auch schon wieder beim Thema.

Ich will eigentlich keine Worte über das verlieren, was in Paris geschehen ist. Die leisen, vernünftigen Stimmen, jene, die nicht reflexartig die Zähne fletschen, in konvulsivisches Gurgeln verfallen, die es nicht schon immer gewusst haben, diese Stimmen müssen Gott sei Dank nicht gesucht werden, es gibt sie – die Frage ist leider, ob sie sich auf Dauer durchsetzen werden. Ob wir weiterhin die Kraft haben zu differenzieren, uns nicht zur Gleichmacherei hinreißen zu lassen, das alles wird sich zeigen müssen. Ich wünsche uns, dass unser Verstand weiterhin klar arbeitet – wir werden ihn in nächster Zeit dringend brauchen.

Die Reaktionen hier vor Ort zerfallen wie nahezu überall in Extreme, wobei sich die politische Rechte auf unangenehme Art erwartungsgemäß verhält und Politknalltüten wie Donald Trump schon mal die Frage stellen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Frankreichs scharfen Waffengesetzen und dem scheußlichen Attentat. Klar, hätten sämtliche Konzertbesucher ihre halbautomatischen Handfeuerwaffen mit zum Konzert gebracht, wäre alles anders gewesen. Ob man in einer solchen Gesellschaft leben möchte, nun, diese Frage braucht sich ein Mensch wie Herr Trump nicht stellen – er lebt ohnehin außerhalb jeder Gesellschaft. Soll er dort verrotten...

Ansonsten hat vor kurzem ein Hund meine Schuhe zerkaut, war ich in einer ehemaligen deutschen Siedlung, wo heute keiner mehr Deutsch spricht, man aber einen grausigen Wein keltert, der sich landesweiter Beliebtheit erfreut, habe ich mich in einem wunderschönen Antiquariat mit Büchern überworfen, war ich in gefühlt allen Kneipen der Stadt und – war ich vergangenes Wochenende in New York. Traditionsgemäß zerfällt Amerika in zwei Lager, jene, die diese Stadt lieben, und jene, die sie hassen. Zum Glück bin ich dieser Unterscheidung enthoben und konnte völlig unbelastet die 5th Avenue hoch und runter schlendern, mich über die seltsame Art, wie man Besucher aus dem MoMa scheucht, wundern (5 Minuten vor Schließung verfallen alle in hektische Betriebsamkeit und scheuchen die Besucher wie ungeliebte Stammgäste aus dem Lokal) oder in Little Italy ganz viele selbstverständlich völlig authentische Italiener treffen. Eine schöne, vielleicht sehr schöne Stadt mit ungebrochener Faszination. Als mein Flugzeug wieder seinen leicht holprigen Weg zurück in den Mittleren Westen gefunden hatte, musste sich St. Louis in seinem verregneten Charme besonders anstrengen, um seine teils so offenkundige Dysfunktionalität zu verbergen.

Apropos Regen: Nachdem es hier zwei Tage in Folge geregnet hatte, machte sich das etwas schwachbrüstige Kanalsystem bemerkbar und verwandelte die Straße vor meiner Haustür in einen Seitenarm des Mississippi, durch den sich die hier so beliebten roten Pickups wie Wellenbrecher quälten. Als guter Europäer bin ich natürlich zu Fuß gegangen. Meine Schuhe waren zwei Tage später noch nass...

Die weiteren Aussichten: der Laubberg vor der Tür wird weiter wachsen (Witz der Woche: We don't kehr) und für das Wochenende ist der erste Schnee angekündigt. Gute drei Wochen zu früh. Was wohl Donald Trump dazu sagen würde?

Herbstgestimmte Grüße,

Manu
20.11.15 06:48
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Melina (20.11.15 07:53)
Moment, musstest du barfuß waten oder war von deinem Schuh noch was übrig?

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