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Multinationales Burgeressen, Motörhead, oder: Das andere Amerika

Hey there,

 

nachdem in den letzten Tagen der Alltag Einzug gehalten hat, war es bedeutend schwieriger, Zeit für einen neuen Eintrag zu finden. Zudem bewirkt der Alltag noch etwas anderes - nämlich das rasante Schrumpfen mitteilungswürdiger Erlebnisse. Mit dem Fahrrad fahre ich exakt fünf Minuten zur Uni und brauche dann noch höchstens zwei Minuten, um zu meinem Büro zu gelangen. Der Weg zurück mag dann sogar noch eine Minute schneller zurückzulegen sein, weil es bergab geht. Was ich damit sagen will, ist, dass als Campus konzipierte Uni den ganzen Tag aufsaugt. Kein Mensch muss wirklich aus dem Dunstkreis der Universität hinaus, sie bietet einem ja alles, Essen, Trinken (selbstredend kein Alkohol), unbegrenzte Arbeitsmöglichkeiten und das warme und auf Dauer mental taubmachende Gefühl, dass man rundum versorgt ist. Erst vor wenigen Tagen hat mir eine chinesische Kommilitonin gestanden, dass sie bereits seit zwei Jahren in St. Louis ist - dass sie aber erst vor wenigen Wochen das erste Mal in Downtown war. Tja, und das ist gar nicht so ungewöhnlich. Der Campus ist die alles einlullende Blase, der geschützte Raum, zu dem das hässliche weil arme Amerika keinen Zutritt hat. Nun ja, trotzdem ist es mir gelungen, zumindest ein paar wenige neue Eindrücke zu sammeln. 

Wo ich gerade das Wort vom hässlichen Amerika im Mund, bzw. in der Feder geführt habe; dieses "andere Amerika", wie es gerne auch bezeichnet wird, jene Seite dieses Landes, die sich durch 2-Kilo-Hühnchenbein-Eimer auszeichnet, ist, wenig verwunderlich, auf dem Campus nicht präsent. Hier regiert der Low-Fat-Cookie. Nun, mit einer Ausnahme, die ich nicht verschweigen will. Vor einigen wenigen Jahren wurden die Plastikwasserflaschen vom Campus verbannt. Sie dürfen seither auf dem Campus nicht mehr verkauft werden. Stattdessen gibt es überall Wasserbrunnen, wo meine seine kostenlosen Wiederverwendungsflaschen auffüllen kann. So weit, so klug. Was ich dann aber vor wenigen Tagen in der hiesigen Studentenzeitung "Student Life" gelesen habe, ließ mich dann doch an der geistigen Zurechnungsfähigkeit bzw. Reife meiner Mitstudierenden zweifeln. Laut einer Studie, die auf dem Campus durchgeführt wurde, hat der Verbot der Plastikwasserflaschen zwar dazu geführt, das von selbigen Zigtausende eingespart werden konnten - aber im gleichen Atemzug hat dieser umwelttechnisch naheliegende Schachzug zu einer Art Trotzreaktion der betroffenen Studierenden geführt. Diese haben nämlich angefangen, im verstärkten Maße zu enorm zuckerhaltigen Süßgetränken zu greifen. Denn diese sind selbstredend nicht verboten (das wäre ja, tja, Sozialismus) und ergo weiterhin verfügbar. Das bedeutet nun, dass das Verbot von Wegwerfflaschen für Wasser zu einer eklatanten Gesundheitsbelastung für die hiesigen Studierenden geführt hat. Der Protest war groß; nun ja, so groß, wie er eben von einer wohlstandsverwöhnten Studierendenschar zu erwarten war. Man verstehe mich bitte nicht falsch - selbstverständlich liegt mir die Gesundheit meiner Kommilitonen und ihrer weiblichen Pendants am Herzen. Aber in diesem bestimmten Fall frage ich mich, ob das hier vielbesungene intellektuelle Durchschnittsniveau nicht doch tiefer liegt als erwartet...

Wo ich dann auf das andere Amerika gestoßen bin? Tja, auf meinem Weg zum Social Security Office. Wer, so wie ich, in den Staaten arbeitet, braucht eine solche Karte. An und für sich ist der Erhalt der Karte kein Aufwand. Spannend ist nur der Weg zu jenem Büro, wo man die Karte beantragen muss. Wer danach fragt, bekommt auf Knopfdruck all die Horrorgeschichten erzählt, die man von St. Louis erwarten darf. Überfälle am helllichten Tag, verprügelte Studenten, geraubte Rucksäcke. Tja, da ich aber keine Lust hatte, vier Dollar für den Bus zu zahlen, bin ich mit dem Fahrrad in jene ominöse Gegend geradelt, die - und das muss man sich vor Augen halte - genau EINEN Block von einer der belebtesten und beliebtesten Straßen St. Louis entfernt ist. Oder dort war es dann - das "andere" Amerika. Das, das sich durch verlassene Gebäude, riesige verödete Plätze und Bauruinen auszeichnet. Das Wartezimmer des Social Security Office war voll von jenen armseligen Gestalten, die es niemals in einen amerikanischen Werbespot schaffen, weil sie schlicht und ergreifend zur humanen Opfermassen gehören, die es braucht, um die Maschinerie des amerikanischen Traums zu ölen. Nur in Indien sind mir schon einmal so ausgebrannte und leere Gesichter begegnet. Kann man es den Studierenden da noch übel nehmen, dass sie sich in der Universitätsblase verkriechen? Kann man? Ja. Ja!

Da es über den letzten Zeilen spät geworden ist, vertage ich die Sitzung hiermit. Morgen und in den nächsten Tagen mehr (dann wird auch die Überschrift mehr Sinn machen). 

So long,

Manu

PS: Morgen. Motörhead. Mehr brauch ich nicht sagen. 

 

 

 

 

 

8.9.15 07:04
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Thorsten (8.9.15 19:39)
Na dann.... Hoffentlich lebt der alte Holz Lemmy noch. 😀 freut mich immer wieder, von dir zu lesen. Rock on

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