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Flagge auf Halbmast, oder: Lachen in China Town

Hi there,vorweg: Dieser Text ist auf einer amerikanischen Tastatur geschrieben, ergo fehlen alle Umlaute. Das bitte ich zu beruecksichtigen. Alles Uebrige ist aber so aehnlich wie gewoehnlich. Eigentlich muss ich genauer werden: Dieser Text ist nicht auf einer amerikanischen Tastatur geschrieben, sondern auf einer kanadischen. Denn dort bin ich mittlerweile angelangt, in Toronto, um genau zu sein, und dort in unmittelbarer Naehe zu China Town. Das hat einen klaren Vorteil: Das Essen hier ist fantastisch. Gerade eben hatte ich meine erste Erfahrung in einem Hot Pot Restaurant. Darin war es dampfig, warm und von der Luftfeuchtigkeit beschlug dauernd meine Brille. Obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich bestellen sollte, bestellte ich eben irgendwas und war ueber meinen Mut schon sehr stolz - als dieser nochmals auf die Probe gestellt wurde. Denn ich bekam leider nur Staebchen zum Essen. Meine zaghafte Nachfrage, ob ich nicht auch eine Gabel haben koennte, wurde mit herzhaftem Lachen beantwortet. Bekommen habe ich die Gabel aber doch. Und das Essen war grandios. Das erste, was man merkt, wenn man von den USA nach Kanada faehrt, ist - dass man etwas Bestimmtes nicht mehr bemerkt. Die Flaggen. Wo in den USA konsequent jeder oeffentliche und private Raum nationalisiert wird, wo jeder noch so bedeutungslose Flecken eine Flagge verpasst bekommt, herrscht in Kanada wohltuende Flaggenstille. Klar, hier und da sieht man das Ahornblatt sich im Winde drehen, von der Stars-and-Stribes-Schwemme der Staaten kann aber keine Rede sein. Da ich die Tage unmittelbar vor meinem Grenzuebergang nach Kanada in Detroit verbracht habe, faellt natuerlich noch etwas anderes auf. Es gibt Fussgaenger. In Detroit ist diese Spezies rar, sehr rar, und wenn ihr begegnet wird, dann schaut man ihr staunend, beinahe etwas aengstlich nach. Und hier? Hier geht man zu Fuss, lange, manchmal sogar sehr lange. Ich bin heute sogar nur zu Fuss gegangen. Verrueckt, was einem so fehlen kann...Was auch fehlt: Der allmorgendliche Blick auf die Flaggen auf Halbmast. Wenn ich meinen regulaeren Weg zur Uni gehe, dann durchquere ich immer das historische Brookings-Tor, ueber dem zwei Flaggen wehen. Und eine davon, die nationale, ist dabei besorgniserregend oft auf Halbmast. Das spiegelt dabei nur wieder, wie oft diese Nation in Trauer gestuerzt wird. Jede groessere Schiesserei bedeutet Halbmast; und dieses Jahr war die Flagge oft, sehr oft auf Halbmast. Wie man dem begegnet? Manchmal mit Zynismus, manchmal mit Unglaublichem: Auf einem Campus in Texas wollten Studierende und Angehoerige eine gespielte Massenschiesserei inszenieren. Und wozu? Um dafuer zu demonstrieren, dass endlich alle bewaffnet zur Uni gehen. Die Flaggen werden hier noch lange auf Halbmast flattern...Was noch? Heute in einer Kneipe gesagt bekommen, dass ich aussehe wie Brad Pitt. Als ich daraufhin gelacht habe, wurde der Mann boese und hat mich genoetigt, einen Schnaps auf seine Kosten zu drinken. Ich habe es geradeso ueberlebt.Herzlich,Manu
22.12.15 05:14


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Land unter, oder: A little time

Hi there,

unser Alltag – das ist Allgemeingut – ist geprägt von einem immer höheren Kommunikationsaufkommen. Wir kommunizieren immer mehr, und zwar dergestalt, dass wir nicht unbedingt mehr sagen. Aber wer am Tag sich durch Meetings und E-Mailberge laviert, hat abends oftmals schlicht keine Lust und Kraft, noch mehr zu kommunizieren. Tja, soweit irgendwie die Entschuldigung dafür, warum seit einiger Zeit hier die Steppenläufer durch den Blog geweht werden. Ein sehr amerikanisches Bild. Und damit sind wir auch schon wieder beim Thema.

Ich will eigentlich keine Worte über das verlieren, was in Paris geschehen ist. Die leisen, vernünftigen Stimmen, jene, die nicht reflexartig die Zähne fletschen, in konvulsivisches Gurgeln verfallen, die es nicht schon immer gewusst haben, diese Stimmen müssen Gott sei Dank nicht gesucht werden, es gibt sie – die Frage ist leider, ob sie sich auf Dauer durchsetzen werden. Ob wir weiterhin die Kraft haben zu differenzieren, uns nicht zur Gleichmacherei hinreißen zu lassen, das alles wird sich zeigen müssen. Ich wünsche uns, dass unser Verstand weiterhin klar arbeitet – wir werden ihn in nächster Zeit dringend brauchen.

Die Reaktionen hier vor Ort zerfallen wie nahezu überall in Extreme, wobei sich die politische Rechte auf unangenehme Art erwartungsgemäß verhält und Politknalltüten wie Donald Trump schon mal die Frage stellen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Frankreichs scharfen Waffengesetzen und dem scheußlichen Attentat. Klar, hätten sämtliche Konzertbesucher ihre halbautomatischen Handfeuerwaffen mit zum Konzert gebracht, wäre alles anders gewesen. Ob man in einer solchen Gesellschaft leben möchte, nun, diese Frage braucht sich ein Mensch wie Herr Trump nicht stellen – er lebt ohnehin außerhalb jeder Gesellschaft. Soll er dort verrotten...

Ansonsten hat vor kurzem ein Hund meine Schuhe zerkaut, war ich in einer ehemaligen deutschen Siedlung, wo heute keiner mehr Deutsch spricht, man aber einen grausigen Wein keltert, der sich landesweiter Beliebtheit erfreut, habe ich mich in einem wunderschönen Antiquariat mit Büchern überworfen, war ich in gefühlt allen Kneipen der Stadt und – war ich vergangenes Wochenende in New York. Traditionsgemäß zerfällt Amerika in zwei Lager, jene, die diese Stadt lieben, und jene, die sie hassen. Zum Glück bin ich dieser Unterscheidung enthoben und konnte völlig unbelastet die 5th Avenue hoch und runter schlendern, mich über die seltsame Art, wie man Besucher aus dem MoMa scheucht, wundern (5 Minuten vor Schließung verfallen alle in hektische Betriebsamkeit und scheuchen die Besucher wie ungeliebte Stammgäste aus dem Lokal) oder in Little Italy ganz viele selbstverständlich völlig authentische Italiener treffen. Eine schöne, vielleicht sehr schöne Stadt mit ungebrochener Faszination. Als mein Flugzeug wieder seinen leicht holprigen Weg zurück in den Mittleren Westen gefunden hatte, musste sich St. Louis in seinem verregneten Charme besonders anstrengen, um seine teils so offenkundige Dysfunktionalität zu verbergen.

Apropos Regen: Nachdem es hier zwei Tage in Folge geregnet hatte, machte sich das etwas schwachbrüstige Kanalsystem bemerkbar und verwandelte die Straße vor meiner Haustür in einen Seitenarm des Mississippi, durch den sich die hier so beliebten roten Pickups wie Wellenbrecher quälten. Als guter Europäer bin ich natürlich zu Fuß gegangen. Meine Schuhe waren zwei Tage später noch nass...

Die weiteren Aussichten: der Laubberg vor der Tür wird weiter wachsen (Witz der Woche: We don't kehr) und für das Wochenende ist der erste Schnee angekündigt. Gute drei Wochen zu früh. Was wohl Donald Trump dazu sagen würde?

Herbstgestimmte Grüße,

Manu
20.11.15 06:48


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